Was genau versteht man unter dem Begriff „Asset-Klasse“?

Eine Asset-Klasse ist eine Gruppe von Assets (Vermögenswerten) mit ähnlichen Risiko- und Renditemerkmalen, die weitgehend gleichen makroökonomischen Einflüssen ausgesetzt sind. Die Kurse dieser Vermögenswerte entwickeln sich im Zeitablauf in ähnlicher Weise. Anlageprodukte wie klassische Lebensversicherungen, Hedge-Fonds, Dachfonds etc. stellen keine eigene Asset-Klasse dar. Solche Produkte investieren in eine oder mehrere Haupt-Asset-Klassen.

Welche Rolle spielt dabei die Asset-Klasse „Humankapital“?

Humankapital ist (in diesem Zusammenhang) der Gegenwartswert aller noch zu erwartenden Arbeitseinkünfte. Für die Mehrheit der Anleger unter 50 Jahren ist es die wichtigste Asset-Klasse von allen. Der finanzielle Wert ist abhängig von der verbleibenden Lebensarbeitszeit und vom zukünftigen Gehaltsniveau etc.. Diese Tatsache ist bei der Bestimmung der risikobehafteten Anteile im Portfolio zu berücksichtigen, denn das Humankapital kann es risikoarmer Portfoliobestandteil gewertet werden. Die Aktienquote kann somit durchaus höher ausfallen, als es im ersten Moment eventuell den Anschein hat.

Wer oder was ist für die Rendite verantwortlich?

Über 90% der Rendite und etwa 90% der Wertschwankung eines Aktienportfolios werden von den in ihm enthaltenen Asset-Klassen bestimmt. Weniger als 10% der Rendite geht auf die innerhalb der einzelnen Asset-Klassen enthaltenen konkreten Wertpapiere zurück. (Studien von Brinson, Hood und Beebower; French und Fama; Ibbotson und Kaplan)

Das bedeutet jedoch, dass das konkrete Kaufverhalten des einzelnen Fondsmanagers eine untergeordnete (bzw. keine) Rolle spielt. Für die Rendite (und das Risiko) des Portfolios ist die Asset-Klassen-Aufteilung gemäß Unternehmensgröße (Large, Small-Caps) und „Style“ (Value vs. Growth) verantwortlich bzw. entscheidend. Das ist für die Festlegung der Investmentstrategie eine entscheidende Erkenntnis.

Welche Rendite erzielten die einzelnen Anlagekategorien über verschiedenste Zeiträume?

  • Der Indexmix „Weltportfolio“ kombiniert verschiedene Aktien-Asset-Klassen miteinander. Wenn man nur auf die letzten 5 Jahre blickt, könnte man der Versuchung unterliegen, dieser ausgeklügelten Streuung nicht mehr zu vertrauen. Es ist allerdings ganz normal, dass „breit gestreut“ in vielen Jahren schlechter als „wenig gestreut“, d.h. „konzentriert“ abschneidet. Langfristig sind jedoch alle Kennzahlen deutlich besser als bei MSCI World.
  • Schwellenländer-Aktien haben mehr Risiko und liefern daher langfristig auch eine hohe Rendite (aber eben nicht sicher).
  • Anleihen Deutschland (als Vertreter für Staatsanleihen) haben eine sehr geringe Korrelation zu MSCI World und somit einen guten Diversifikationseffekt.
  • Immobilien werden als Kapitalanlage von Maklern, Vermögensberatern & Co. viel zu optimistisch dargestellt. Die hier angeführte Hauspreise berücksichtigen die Rendite durch Mieteinnahmen (die jetzt auch nicht so besonders hoch ist) nicht, daher ist ein Vergleich mit den anderen Spalten nicht wirklich möglich. Es geht in diesem Fall nur um die Wertsteigerung der Immobilien selbst, die von diversen Beratern viel zu hoch eingeschätzt wird.
  • Gold ist mehr Mythos als sinnvolle Kapitalveranlagung. Alle Kennzahlen weisen eindeutig in diese Richtung.

Eine ausführlichere Tabelle mit noch mehr Kennzahlen und weiteren Asset-Klassen finden Sie im Kapitel Wie viel und wie lange in Aktien investieren.

Welche Asset-Klasse schützt am besten vor dem Inflationsrisiko?

Man muss zunächst zwischen erwarteter und unerwarteter Inflation unterscheiden. Erwartete Inflation ist die Inflationserwartung des Marktes für die Zukunft. Erwartete Inflation ist in ALLEN Asset-Preisen (allen Asset-Klassen) und damit den erwarteten Renditen eingepreist. Vor erwarteter Inflation schützen alle Asset-Klassen gleich gut oder gleich schlecht. Damit wäre schon mal 80% des Inflationsarguments (welche Asset-Klassen schützen besser oder schlechter vor Inflation) abgehandelt, denn die Marktschätzung für Inflation ist empirisch ziemlich gut.

Diese ewige Frage zum „Inflationsschutz“ beschränkt sich also auf den engeren Gesichtspunkt des Schutzes vor unerwarteter Inflation, d.h. Abweichungen in der Realität von der früheren Inflationserwartung.

  • Den bei weitem besten, nämlich 100%-Schutz vor der unerwarteten Inflation bieten inflationsindexierte Staatsanleihen.
  • Den nächstbesten Schutz bieten kurzfristige normale („nominale“) Staatsanleihen.
  • Aktien, Immobilien, Gold und langfristige Anleihen besitzen kurzfristig (bis ca. 5 Jahre) einen schlechten Schutz vor unerwarteter Inflation.
  • Für Privatanlegerhaushalte ist der kurzfristige Schutz vor Inflation normalerweise unwichtig, weil ihre Human Capital das wichtigste Asset ist und das beinhaltet einen sehr guten Schutz vor Inflation.

Das ist vielfach gezeigt worden und die ständige Rede von „Immobilien schützen vor Inflation“ ist einfach falsch. Dass dieses falsche Argument kontinuierlich wiederholt wird, hat vielleicht auch damit zu tun, dass „Schutz vor Inflation“ mit dem in Wirklichkeit anderen Gesichtspunkt „erwartete reale Rendite deutlich über 0“ verwechselt wird. In diesem (falschen aber verbreiteten) Sinn bieten Aktien den höchsten Schutz vor Inflation, weil Aktien die höchsten erwarteten Renditen haben und sicherlich höher als die von Immobilien. In diesem falschen Sinne bieten Immobilien natürlich auch Schutz vor Inflation, weil ihre erwartete reale Rendite über Null liegt. Dass Mieten an die Inflationsrate gekoppelt sind (also allgemein an sie gekoppelt sind), stimmt nicht. Man findet das bei Wohnimmobilien sehr selten, bei Gewerbeimmobilien schon eher aber auch nicht immer (eine feste vertraglich vereinbarte jährliche Eskalationsrate einer Miete zählt hier nicht, weil sie keinen Schutz vor unerwarteter Inflation darstellt).