Ein paar Gedanken zum Thema „Strategie“

Bevor Sie sich mit der Erarbeitung einer Veranlagungsstrategie beschäftigen, sollten Sie sich mit dem Thema „Strategie“ beschäftigen. Denn, wann immer Sie eine Veranlagungsstrategie festlegen oder sich an einer vorgeschlagenen Strategie orientieren, werden Sie mehr oder wenig gezwungener Maßen in die Situation kommen, dass Sie den Erfolg ihrer Strategie bewerten, indem Sie die Ergebnisse z.B. mit anderen Fonds vergleichen. Da der langfristige Veranlagungserfolg maßgeblich davon abhängt, wie konsequent Sie Ihre Strategie verfolgen, ist dieses Thema nicht zu unterschätzen. Im Nachhinein wird es – sofern Sie sich für ein über verschiedene Asset-Klassen gestreutes Portfolio entscheiden – immer Investmentfonds geben, die in einzelnen, durchaus auch längeren (vielleicht sogar über den gesamten) Zeitraum bessere Ergebnisse erzielt haben werden, als Ihr eigenes Portfolio. War Ihre Strategie daher schlecht? Wenn diese sachlogisch zu begründen war, d.h. ihrer Veranlagungsstrategie faktenbezogene Entscheidungen zu Grunde lagen, war es eine richtige und gute Strategie. Sie basierte nicht auf Glück und Vermutungen. Es ist nicht leicht zu akzeptieren: die Richtigkeit einer Strategie ist unabhängig vom Ergebnis. Die faktenbasierende Entscheidung für eine Strategie ist nicht gleichbedeutend damit, dass man damit garantiert (mehr) Erfolg hat. Sie erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit maßgeblich. Und vergessen Sie bei der nachträglichen Bewertung nicht, dass es unzählige schlechtere Strategien gab und gibt (die in diversen Fondsrankings natürlich nicht gezeigt werden).

Sachlogik passiven Investierens

„Passiv investieren“ bedeutet im Wesentlichen, über passive Fonds (Exchanged Traded Funds (ETF)/Indexfonds), die einen Wertpapierindex nachbilden, in einzelne Asset-Klassen zu investieren und diese Asset-Allocation (d.h. die Gewichtung der einzelnen Anlage-Klassen) nicht laufend zu verändern. Im Gegensatz dazu steht das „aktive Investieren“ in aktiv gemanagte Fonds und Portfolios, wo ein Fondsmanager oder Computerprogramm entscheidet, in welche Wertpapiere und Asset-Klassen wann und wie stark gewichtet investiert wird. In Abweichung zum rein quantitativ orientierten Ansatz, der die Performance von aktiven und passiven Investmentfonds gegenüberstellt bzw. den sogenannten Track Record aktiven Investierens misst, kann man den Erfolg passiven Investierens auch sachlogisch begründen. Neben der sogenannten Markteffizienz gibt es sieben weitere theoretische und empirische Argumente, die aus Privatanlegersicht relevant sind. Wir gehen auf die einzelnen Argumente an dieser Stelle nicht im Detail ein, weil dies den Rahmen sprengen würde. Interessierte verweisen wir auf das Buch „Herleitung und Umsetzung eines passiven Investmentansatzes für Privatanleger in Deutschland“ von Gerd Kommer.

Für den Ertrag verantwortlich: Aktien-Asset-Klassen & Risikofaktoren/Faktorprämien

Die folgenden Punkte enthalten konkreten Informationen, aus welchen Gründen welche Aktien-Asset-Klassen in einem gestreuten Aktienportfolio enthalten sein sollten:

  1. Size Premium (Small-Cap-Effekt)
  2. Style Premium (Value-Effekt)
  3. Emerging Market Premium (Political Risk)
  4. Rohstoffe
  5. Immobilien

Size Premium (Small-Cap-Effekt)

Studien zeigten, dass Small Caps (Unternehmen mit geringerer Börsenkapitalisierung als Mid und Large Caps) über viele Zeiträume deutlich höhere Renditen erzielen als Large Caps. Da Rendite und Risiko immer einher gehen und Small Caps keine höhere Volatilität aufweisen, sind hier andere Risiken miteinzubeziehen, um die höhere Rendite zu erklären bzw. zu rechtfertigen. Diese höhere Risiken von Small Caps bestehen darin, dass sie typischerweise einen höheren Maximum Drawdown und eine geringere Liquidität aufweisen. Beide Risiken zeigen vor allem in starken Marktabschwungphasen. Hinzukommt, dass das Small Cap Premium über viele Jahre auch negativ sein kann. Daher ist der Anteil an Small Caps im Gesamtportfolio entsprechend zu begrenzen. Eine höhere Gewichtung von Small Caps in einem global diversifizierten Portfolio (gegenüber einer markt neutralen Asset-Allokation) führt zur Verbesserung des Risiko-Rendite-Verhältnisses.

Style Premium (Value-Effekt)

Fama/French veröffentlichten 1992 eine Untersuchung, die zeigte, dass a) „Size“ (siehe obiger Abschnitt) sowie b) das Buchwert-Kurs-Verhältnis die stärkste Beziehung zu Renditedifferenzen innerhalb des Aktienuniversums haben. Zusammen mit dem Beta-Faktor erklären diese beiden Variablen zu etwa 95%, wie sich ein diversifiziertes Aktienportfolio im Hinblick auf Risiko und Rendite verhält. Eine Vielzahl anderer Autoren haben seitdem den Value-Effect bestätigt. Da Value-Aktien im Allgemeinen keine höhere Volatilität als Growth-Aktien und auch kein höheres Maximum Drawdown haben, konzentrieren sich die Forschungen aktuell darauf, wie sich dieser Value-Effekt begründen lässt. Jedenfalls kann man als Anleger das Rendite-Risiko-Verhältnis in einem global diversifizierten Portfolio verbessern, wenn man den Value-Anteil im Portfolio erhöht.

Emerging Market Premium (Political Risk)

Auf der Basis von Renditedaten seit Anfang 1988 weisen Schwellenländer gegenüber Industrieländern höhere Aktienrenditen bei (selbstverständlich) höherem Risiko auf. Es ist möglich, dass diese Outperformance auf Size- und Value-Effekte zurückgeht und nicht auf ein gesondertes Emerging Market Premium. Andererseits ist durchaus denkbar, dass diese Outperformance auf einen eigenständigen Risikofaktor, nämlich politisches Risiko, zurückgeht. Die höheren Renditen von Schwellenländeraktien basieren – im Gegensatz zu einem verbreiteten Missverständnis – nicht oder nur wenig auf den deutlich höheren Wirtschaftswachstumsraten (Bruttoinlandsprodukt) dieser Volkswirtschaften. Anhand von Daten für knapp 30 OECD-Länder wurde gezeigt, dass Haushaltsdefizite keinen Einfluss auf die späteren Renditen von Aktien oder Staatsanleihen haben (ebenso wenig haben Haushalts- und Handelsbilanzdefizite Einfluss auf die nachfolgende Wechselkursentwicklung). Wenn man akzeptiert, dass Renditen in erster Linie eine Kompensation für nicht wegdiversifizierbares Risiko sind, dann sollte der mangelnde Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Aktienrenditen nicht weiter überraschen. Auch eine Verstärkung des Emerging-Market Exposures in einem global diversifizierten Portfolio (gegenüber einem marktneutralen Exposure) – analog zu einer Verstärkung des Small Cap und Value Exposures – führt zur Verbesserung des Risiko-Rendite-Trade-Offs.

Rohstoffe

Aufgrund der Kombination aus attraktiver Rendite und günstigen Korrelationseigenschaften zu Anleihen, zu Aktien und zu Inflation bewirken Rohstoffinvestments mittels Rohstoff-Futures als Beimischung in einem Multi-Asset-Klassenportfolio auf lange Sicht eine Verbesserung des Risiko-Rendite-Trade-Offs. D.h., es kommt durch eine Beimischung von etwa 10% bis 15% Rohstoff-Futures im risikobehafteten Teil eines Multi-Asset-Klassenportfolios zu einer gleichzeitigen Verbesserung der Rendite des Portfolios und zu einer leichten Senkung des Portfoliorisikos. Rohstoffaktien sind übrigens keine attraktive Form von Rohstoffinvestments, da ihre erwartete Rendite (nach Kontrolle für Size und Style) im Wesentlichen die Gleiche ist wie die des allgemeinen Aktienmarktes und sie sehr hoch mit dem allgemeinen Aktienmarkt korrelieren.

Immobilien

Ebenso wie Rohstoff-Futures kann die Asset-Klasse „Immobilien“ eine sinnvolle Komponente in einem global diversifizierten Multi-Asset-Klassenportfolio sein. Von den dafür grundsätzlich möglichen Immobilieninvestmenttypen (vermietete Einzelimmobilie, geschlossene Immobilienfonds, offene Immobilienfonds und globale REITs (Real Estate Investment Trusts)), sind nur REITs zu empfehlen. Ohne die Nachteile der anderen drei Investmenttypen auszuformulieren (z.B. Illiquidität, Rechtsrisiken), haben REITs langfristig Renditen, die in der Größenordnung von Standardwerteaktien liegen. Ihre Korrelation mit Aktien ist relativ niedrig und niedriger als z.B. diejenige zwischen Small Caps und Large Caps oder zwischen Aktien Europa und Aktien USA. Die Kombination von relativ hoher langfristiger Rendite und relativ niedriger Korrelation zu anderen risikobehafteten Asset-Klassen verleiht REITs ein gutes Diversifikationspotential in einem aktienlastigen Portfolio.

Das empfohlene Weltportfolio

Die oben angeführten Daten und Untersuchungen (und noch viele mehr) führten zu einem breit gestreuten Portfolio für den risikobehafteten Teil eines Anlegerportfolios mit folgenden Eckpfeilern:

  • Gewichtung der Regionen nach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) und nicht nach der Börsen-/Marktkapitalisierung.
  • Regelmäßiges Rebalancing, d.h. Wiederausrichten der Gewichtung der (sich unterschiedlich entwickelnden) Anteile entsprechend der Start-Allokation.
  • Berücksichtigung von Seize-Premium (Small Caps), Style-Premium (Large Caps Value), Emerging-Markets-Premium (Aktien Emerging Markets), Rohstoffen, Immobilien (REITs) und selbstverständlich der Regionen Nordamerika, West-Europa, Asien-Pazifik (Japan, Australien) und der Schwellenländer (Ost-Europa, Asien, Lateinamerika, Südafrika)

Der World Wide Index Fonds ist genau entsprechend dieser Empfehlung konzipiert worden.

Wie verhalten sich die Rendite- und Risikokennzahlen eines SWI-Weltportfolios im Vergleich zu anderen Asset-Klassen?

Die folgende Tabelle fasst viele interessante und wichtige Kennzahlen einzelner Asset-Klassen und des Indexmix „Weltportfolio“ zusammen. Eine kurze Erläuterung zu den Kennzahlen:

  • Nominale geometrische Durchschnittsrendite ohne Abzug von Kosten und Steuern: das ist die per anno-Rendite vor Inflation.
  • Standardabweichung (die durchschnittliche Schwankung um den eigenen Mittelwert der Zahlenreihe).
  • Max. historisches Drawdown: der maximal mögliche Verlust.
  • Anteil der Kalenderjahre mit negativer realer Rendite.
  • Sharpe Ratio (nominal): eine Kennzahl, die Rendite und Risiko (die Standardabweichung) in Relation bringt. Je höher der Wert, umso besser war die Veranlagung.
  • Korrelationen: einerseits mit MSCI-World, um zu zeigen, welche Asset-Klassen innerhalb eines risikobehafteten Portfolios am besten zu den „üblichen“ Aktien kombiniert werden sollten (je geringer die Korrelation zu MSCI-World, umso besser), und mit der Inflation (je höher die Korrelation, umso besser).

Der World Wide Index Fonds ist entsprechend dem Weltportfolio in dieser Tabelle konzipiert worden.