Risikodaten verschiedener Asset-Klassen im Detail

Eine erste Orientierung, wie viel man in Aktien investieren soll, geben die verschiedenen Risikokennzahlen von einzelnen Asset-Klassen bzw. einem breit gestreuten Weltportfolio. Eine kurze Erläuterung zu den Kennzahlen:

  • Nominale geometrische Durchschnittsrendite ohne Abzug von Kosten und Steuern: das ist die per anno-Rendite vor Inflation.
  • Standardabweichung (die durchschnittliche Schwankung um den eigenen Mittelwert der Zahlenreihe).
  • Max. historisches Drawdown: der maximal mögliche Verlust.
  • Anteil der Kalenderjahre mit negativer realer Rendite.
  • Sharpe Ratio (nominal): eine Kennzahl, die Rendite und Risiko (die Standardabweichung) in Relation bringt. Je höher der Wert, umso besser war die Veranlagung.
  • Korrelationen: einerseits mit MSCI-World, um zu zeigen, welche Asset-Klassen innerhalb eines risikobehafteten Portfolios am besten zu den „üblichen“ Aktien kombiniert werden sollten (je geringer die Korrelation zu MSCI-World, umso besser), und mit der Inflation (je höher die Korrelation, umso besser).

Die Risikotoleranz und -tragfähigkeit?

Wie hoch der Aktienanteil in einem Portfolio eines Anlegers sein sollte, wird in erster Linie von dessen Risikotoleranz und -tragfähigkeit bestimmt. Natürlich spielt der Anlagehorizont auch eine Rolle. Wenn die Risikotoleranz und -tragfähigkeit jedoch nicht ausreichend hoch ist, wird der Anleger den geplanten Anlagehorizont gar nicht erreichen. Für jene Klienten, die ausschließlich den maximal möglichen Wertverlust als Parameter für die Bestimmung der Aktienquote heranziehen (ohne Berücksichtigung des Anlagehorizontes und des Humankapitals), wäre folgende Tabelle eine Orientierung. Bitte beachten Sie jedoch, dass solche Tabellen immer eine Genauigkeit suggerieren, die es in Wirklichkeit nicht gibt. (Anmerkung: Natürlich hatte man mit risikoarmen Portfolios, die nur aus Staatsanleihen bestehen, in den 40 Jahren auch einen negativen Max. Drawdown. Die +6% sind jene Performance, die diese Asset-Klasse in jenem Zeitraum erzielt hat, als das Weltportfolio den Max. Drawdown hatte. Daher wurde diesem Diversifikationseffekt Rechnung getragen und nicht der absolute Max. Drawdown von Staatsanleihen verwendet.)

Wann ein-/aussteigen?

„Wie können sie sicher feststellen, ob Aktienkurse vor einem Aufschwung oder einem Fall stehen? Sie können es nicht. Niemand kann es. Auch nicht die Experten.“ (Zvie Bodie, Professor für Finanzwissenschaften, Boston University)

Jeder Anleger kennt wohl das Gefühl, dass der jeweilige Kaufzeitpunkt nicht ideal zu sein scheint. Soll man noch warten, weil die Kurse vielleicht noch weiter fallen. Oder lieber noch warten, weil die Kurse schon gestiegen und vielleicht zu hoch sind. Aus diesem Dilemma hilft auch kein Experte oder Computerprogramm. Um den optimalen oder auch nur einen einigermaßen günstigen Einstiegs- (oder Ausstiegs-)Zeitpunkt zuverlässig festlegen zu können, müsste Market-Timing dauerhaft funktionieren, und das ist nachgewiesener Weise nicht der Fall. Da es keine Möglichkeit gibt, den günstigsten Zeitpunkt für den Wertpapierkauf zu bestimmen, ist die Frage „Wann ein-/aussteigen?“ letztlich irrelevant.

Natürlich hat der konkrete Zeitpunkt des Markteintrittes (korrekter: der exakte Kalenderzeitraum, während dem ein Investment besteht) natürlich einen erheblichen Einfluss auf dessen durchschnittliche Jahresrendite und damit auf den Investmentendwert. Dieser Einfluss nimmt mit der Länge des Anlagezeitraums ab, verschwindet aber bei realistischen Anlagezeiträumen von unter 40 Jahren niemals vollständig. Da jedoch kaum ein Privatanleger 100% seines Vermögens in Aktien einer bestimmten Asset-Klasse investieren wird, ist diese Betrachtung sehr theoretisch. Die meisten Anleger besitzen verschiedene Asset-Klassen (Immobilien, Geldmarktanlagen, Anleihen und nicht zuletzt Humankapital). Diese Diversifikation reduziert das „Einstiegs-/Ausstiegszeitpunktrisiko“ beträchtlich.

Soll vor Ablauf bzw. vor Pensionsantritt in Anleihen geswitcht werden?

Eine Kernaussage der Modernen Portfoliotheorie besteht darin, dass ein Anleger bei seinen Investmententscheidungen (insbesondere der Asset- Allokation) seine gesamte Vermögenssituation berücksichtigen sollte. Medien, Berater und in der Folge leider auch die Anleger konzentrieren sich zumeist auf Einzelinvestments. „Humankapital“ bezeichnet den geschätzten Barwert des Gehaltes, das sie ab heute bis zum Ruhestand voraussichtlich beziehen werden. Bei einem 30-Jährigen könnte das Humankapital 95% seines Gesamtvermögens ausmachen, bei einem 65-Jährgien liegt dieser Wert vielleicht zwischen 0% und 5%. Nehmen wir als Beispiel einen 30-jährigen mit 2 200 Euro monatlichen Nettoeinkommen. Nehmen wir weiter an, dass dieses Einkommen real um 3,5% p.a. steigen wird. Der Barwert dieses Einkommensstroms beträgt etwa 530 000 Euro. Wenn dieser junge Mann bis heute bereits (immerhin) 20 000 Euro in Wertpapiere angespart hat, erkennt man, wie gering das Wertpapiervermögen im Vergleich zum Humankapital eigentlich ist. Dieses Humankapital korreliert bei den meisten Berufsgruppen nur sehr schwach oder  vielleicht sogar leicht negativ mit den Aktienmarktrenditen. Dieser Umstand sollte bei der Bestimmung der Aktienquote (Humankapital ist als konservativer Anteil anzusehen) im Portfolio berücksichtigt werden.

Steht man nun am Ende seines Arbeitslebens, beträgt das Humankapital eventuell nur mehr wenige Prozent des Gesamtvermögens. Der konservative Anteil im Portfolio ist dadurch geringer, was somit eine Anpassung der Aktienquote nach unten erfordert. Das Human Kapital, d.h. die zukünftigen aktiven Einkünfte sind auf Null zu setzen. Jedoch haben wir alle zu diesem Zeitpunkt (staatliche und eventuell betriebliche) Rentenansprüche, die einen erheblichen Anteil am Gesamtvermögen ausmachen und in der Regel als sehr konservativer Vermögensbestandteil zu sehen sind. Wenn man nun noch sonstige Vermögenswerte (eventuell Eigenheim etc.) hinzuzählt, beträgt das private Altersvorsorgekapital vermutlich nur mehr einen geringen Anteil am Gesamtkapital. Wenn nun in diesem Vermögensanteil die Aktienquote nicht 0% beträgt, kann das durchaus passend und auch sinnvoll sein, um die Vorteile von Sachanlagen zu nutzen. Denn schließlich dauert die Rentenphase statistisch gesehen schon länger als 20 Jahre. Eine lange Zeit, in der Währungsreformen oder sonstige Krisen zu überstehen sind.